Stillleben und warum sie eben doch nicht langweilig sind..

Stillleben?
Ach nöööö
Irgendwelche Äpfelchen und Birnchen und Schälchen, aufgereiht und dann von Kunstkritikern hochgelobt.

Ich kann niemanden verübeln so über Stillleben zu denken (ich tat es bis vor kurzem genauso!). Schließlich lernen wir in der Schule ja genau solche Dinge und müssen unter Umständen auch noch 6 Din A4 Bögen darüber referieren, warum die Obstschale im Vordergrund dem Bild Emotion und Dynamik verleiht

Aber ich will all euch Gepeinigten da draußen ein Licht der Hoffnung anzünden: Die Fotografie gibt dem öden Stillleben Pepp!

Doch zunächst einmal zum Begriff. Stillleben ist die Bezeichnung für eine Komposition aus leblosen Gegenständen (wie zum Beispiel Stifte, Uhren, Gläser). Das macht diese Form der Fotografie besonderes anfängertauglich, da man sich nicht mit bewegten Motiven und ständig wechselnden Lichtbedingungen abkämpfen muss. Man hat Zeit, sich in Ruhe mit der Kamera vertraut zu machen, die Einstellungen vorzunehmen und einfach nach Herzenslust rumzuprobieren.

Wie ihr euch aber sicher denken könnt, gibt es auch hier ein paar Tipps, Tricks und Stolperfallen, bis man ein gutes Stillleben in Händen hält.
Um es anschaulicher zu machen, habe ich euch aus meiner eigenen Fotosammlung Negativ-Beispiele rausgesucht und erkläre, was man dabei hätte besser machen können und was man generell beachten sollte.

1.Licht.
Vielleicht denken jetzt einige, dass das ja nicht so schwer sein kann. Leider ist es das aber oft doch.
Erst einmal ist es wichtig auszuwählen, welche Lichtquelle man überhaupt möchte. Weißlicht oder Glühbirne? Direktes Licht oder indirektes Licht? Wie hell, wie dunkel? Hier heißt es einfach ausprobieren. Ich persönlich habe mich gestern für Weißlicht entschieden, da ich den Kontrast zum schwarzen Hintergrund mochte. Allerdings ist mir dabei gleich ein Fehler unterlaufen:

Rose von vorne Stilleben

Ich habe die Lichtquelle zu nah am Objekt platziert. Dadurch entstanden links am Rand ausgefressene, überbelichtet Bildstellen. Ausgefressen bedeutet, dass die Pixel an diesen Stellen keine Farbinformation enthalten und deshalb als weiß ausgegeben werden – was zu unschönen weißen ‘’Löchern’’ im Bild führt. Gerade bei Stillleben ist so etwas unbedingt zu vermeiden, da die Bilder oft auf einen einzigen Gegenstand reduziert sind und es einfach unsauber wirkt, wenn man weiße Krater darin findet ;) .

Ein zweites Problem, das im Zusammenhang mit Licht auftritt ist die korrekte Ausleuchtung eines Gegenstandes. Denkt mal an Kunst: Wenn ihr einen Kreis malt und ihn flächig mit rot ausmalt wirkt das doch viel langweiliger, als wenn ihr ihn in verschiedenen Rotnuancen unter Schwarzbeigabe schattiert, oder? Und genau dieses Prinzip findet auch in der Fotografie Anwendung. Wenn ihr euer Objekt einfach nur frontal anstrahlt, fehlen ihm die Schatten und der Gegenstand wirkt flach und damit uninteressant. Siehe hier:

Rose Stilleben

Die Rose ist zwar Gott sei Dank an sich etwas gekräuselt, aber dennoch wirkt sie durch meine ungeschickte Ausleuchtung langweilig und platt – eben nicht plastisch. Viel besser gelungen ist es in diesem Bild:

Stilleben besser

Es ist noch genau die gleiche Rose in genau der gleichen Lage. Ich habe lediglich die Lichtquelle anders ausgerichtet. Schon entstehen interessante Schatten und man muss zweimal hinsehen, bis man den Gegenstand errät. So ist euer Stillleben für den Betrachter gleich viel interessanter.

Daher: Prüft, ob das Licht weich genug auf das Objekt auftrifft und gegebenenfalls passt ihr Abstand bzw Intensität der Lichtquelle an. Achtet außerdem auf eine plastische und interessante Ausleuchtung eurer Gegenstände.

2. Unschärfe.
Ein allgemein wichtiges Thema. Unscharfe Stellen fallen allerdings um einiges schneller in einem Stillleben auf als in einer Landschaftsaufnahme, weshalb es noch wichtiger ist sie zu vermeiden. Wenn man dann auch noch wie ich einen dunklen Hintergrund, mit weit offener Blende und langer Belichtungszeit wählt ergeben sich schnell und gerne unscharfe und verwackelte Bilder. Hier zwei Beispiele:

Rose unscharf Stilleben

Unscharf Stilleben

Deshalb mein Tipp: Entweder ihr aktiviert den automatischen Fokus oder ihr versucht wirklich darauf zu achten, dass euer Fokuspunkt richtig liegt. Außerdem sollte eure Kamera einen stabilen Stand haben, damit nichts verwackeln oder verwischen kann – bei Stillleben essentiell.

3. Ungenutzte Fläche.
Leider passiert es mir ziemlich oft, dass ich mich so auf mein Motiv konzentriere, dass ich das Außenrum dabei vergesse. Das Objekt ist dann zwar scharf, das Licht passt und die Kamera steht stabil, aber dann passiert sowas:

Feder Stilleben unscharf

Viel zu viel ungenutzte Fläche. Der Blick des Betrachters gleitet dann zwar flüssig über das Bild, weil nichts stört, findet aber nichts was ihn festhält und schon verliert man das Interesse. Es gibt kaum etwas langweiligeres in Stillleben als leere Bildflächen.
Hier nochmal das gleiche Motiv, nachdem ich meinen Fehler bemerkt hatte:

Feder besser Stilleben

Hier sieht man, wie ich versucht habe, den schwarzen Schlagschatten in einen Kontext mit den schwarzen Spitzen der Federn zu bringen und somit eine Verschmelzung zwischen Vorder- und Hintergrund zu erreichen. Außerdem habe ich den Bildausschnitt nochmal verkleinert.

Achtet also unbedingt darauf, dass ihr den Bildausschnitt so wählt, dass so wenig wie möglich der Bildfläche in eurem Stillleben zusammenhangslos leer bleibt oder bringt euer Objekt in Bezug zu der leeren Fläche.

Ihr könnt allerdings ungenutzte Flächen auch mit Texten versehen ;) .

4. Keine Aussage.

Keine Aussage Stilleben

Dieses Stillleben ist zwar technisch gesehen in Ordnung, aber es gefällt mir trotzdem nicht. Das Problem habe ich schnell erkannt: Die Motive passen einfach nicht zusammen. Es ergibt sich daraus weder eine Geschichte, noch harmonieren sie farblich oder verhalten sich kontrastär zueinander. Sie haben schlicht keinerlei Ausasge bzw. Bedeutung. Genau das ist aber das Wichtigste an einem Stillleben. Die Gegenstände sollen, obwohl sie leblos sind, eine Geschichte erzählen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man gleiche Farben, gleiche Gegenstände oder Komplementärfarben und gegensätzliche Objekte aneinander reiht – das Ziel ist es, dem Betrachter ein Gefühl, eine Stimmung oder eine Geschichte durch euer Stillleben zu übermitteln.
Das Stillleben kann noch so technisch gut sein, wenn die Gegenstände keine Aussage bilden, wird sich der Betrachter dennoch schnell von eurem Bild abwenden.

Daher empfehle ich, dass ihr euch gut überlegt was ihr mit eurem Stillleben aussagen wollt, wie ihr das erreichen könnt und was ihr dazu braucht.

Ich zum Beispiel habe mir angewöhnt, immer ein Farbspektrum dabei zu haben, um entweder harmonierende oder kontrastierende Farben zusammenzustellen . Außerdem lasse ich mich gerne von meiner Umwelt inspirieren, räume unsere Wohung halb leer und versuche meine momentane Stimmung durch die Gegenstände im Bild durchklingen zu lassen ;).

Hier findet ihr nochmal eine kleine Galerie mit Stillleben, die mir gefallen haben:
[nggallery id="3"]

Ihr habt also sicherlich bemerkt, dass eurer Kreativität bei Stillleben keinerlei Grenzen gesetzt sind. Probiert einfach rum, lasst euch inspirieren und meidet Äpfelchen, Birnchen und Obstschälchen :D . Nein, das war ein Spaß – auch damit kann man einiges anfangen!

Wenn ihr noch Ideen oder Anregungen zum Thema Stillleben habt, immer her mit Kommentaren.
Ich hoffe, dieser Artikel hat euch gefallen,
eure Jana

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