Das Tagebuch – Der Sturm -

Was das hier einmal werden soll, ist mir noch nicht ganz klar. Erstmal ist es der Anfang einer Geschichte und ich könnte mir gut vorstellen, dass es eine Art Bildergeschichte wird, die hoffentlich noch ihren Titel, Hauptteil und ihr Ende findet. Mal schauen, ob mir das gelingt ;)  . 

Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen :) !

                                       Das Tagebuch 

                                                   - Der Sturm -

Nacht

“Die Nacht ihrer Geburt erschien wie die Ruhe vor dem Sturm.” , schrieb meine Mutter in ihr Tagebuch, dessen Geruch nach altem Leder schwer in meine Nase steigt. Die abgegriffenen, dünnen Seiten rascheln zwischen meinen Fingern, als ich umblättere.

Eine junge Frau, eingehüllt in Wolldecken, liegt in einem Bett. Das dunkle Haar klebt verschwitzt an ihrer Stirn. In Arm hält sie einen Säugling – ein Wesen, dass seit es das Licht der Welt erblickt hat, und in diesem Falle handelt es sich um das Licht einer sehr dunklen Welt, noch keinen Laut von sich gegeben hat.
Im Zimmer ist es kalt. Ohren, Nase und Finger der Frau sind gerötet. Niemand hat Holz für den Ofen gehackt. 
Es herrscht vollkommene Stille. Kein Laut dringt von außen herein, kein Ast knackt, keine Windböe pfeift ums Haus, kein Regen prasselt aufs Dach. Nirgends tickt eine Uhr. Die Zeit steht.

Auf der nächsten Seite ist die Schrift so stark verblasst, dass ich die Worte kaum zu entziffern vermag. Einige Male taucht mein Name auf. Satzfetzen von hohem Fieber, knietiefem Schnee und zuneige gehenden Vorräten fügen sich in meinem Kopf zu Bildern zusammen, werden im nächsten Moment wieder auseinander gerissen und lassen mich schwindeln.

Eine Tür schwingt auf. Leise Sohlen lassen trockenes Holz knarren. Eine Kerze wirft flackerndes Licht an die Wand. Eine Hand greift nach der letzten Kartoffelknolle – ein mickriges, runzeliges Ding, nicht einmal genug um den Hunger einer Ratte zu stillen. 
In dem großen Bett geht das namenlose Baby fast unter. Seine Stirn glüht, die kleinen Augen sind von einer glasigen Schicht überzogen. Wenn man ganz nah heran geht, kann man den Atem des kleinen Mädchens hören. Die Mutter beugt sich über das Bett, fragt sich mit zitternden Lippen, ob ihre Tochter diesen Gedanken je erleben wird.

Ich versuche zu begreifen, dass dies die ersten Tage meines Lebens waren, dass dies keine fremde Geschichte ist, sondern meine Geschichte..
Ich schließe meine müden Augen, die die Welt sahen, bis mein Herz Wort für Wort, Zeile für Zeile entziffert. 

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