Blickführung – Eyecatcher

Eyecatcher
Nun geht es weiter mit meiner Serie zur Blickführung, um genauer zu sein mit dem Thema „Eyecatcher“. Als ich mich noch ein wenig detaillierter in das Thema einlaß, wurde mir klar, dass dies eigentlich der erste Artikel dieser Reihe hätte sein müssen, denn

der Eyecatcher fängt den Blick ein.

Bevor ich mich eingehender mit diesem Thema beschäftigte, unterzog ich mich einem kleinen Selbsttest. Ich achtete auf die Dinge, die mir als erstes ins Auge fielen, wenn ich eine Szene, einen Ausschnitt meiner Umgebung betrachtete. Ich empfehle, dies mal eine Zeit lang in den eigenen Alltag zu integrieren, um ein Bewusstsein dafür zu erlangen, welche Eigenschaften ein Objekt haben muss, damit es sich zum Eyecatcher eignet. Darauf werde ich in einem weiteren Artikel näher eingehen.

In der Fotografie werden grundsätzlich Flächen, Linien und Punkte unterschieden.

Zur Erinnerung:

1. Als Flächen gelten Bildbereiche von einheitlicher Struktur, Helligkeit und/oder Farbe, die sich dadurch von den restlichen Bildbereichen unterscheiden.

2. Linien entstehen zwischen den Flächen (dort wo eine Fläche im Kontrast zur anderen steht) oder innerhalb einer Fläche (wenn diese eine schmale, längliche Form aufweist).

Flächen machen den Raum im Bild aus, Linien können Dynamit verleihen und den Blick führen.

Punkte:

Wenn wir einen Blick auf unsere Umgebung werfen, dann registriert unser Gehirn unmittelbar, welche Informationen interessant und betrachtenswert sind und welche nicht. Dabei fallen Punkte besonders stark ins Auge. Punkte heben sich von ihrer restlichen, speziell von ihrer direkten Umgebung deutlich ab (durch ihre Helligkeit, Farbe oder Struktur), machen dabei jedoch nur einen kleinen Bildbereich aus.

Eyecatcher

Im nebenstehenden Bild ist dies gut zu erkennen. Der Stern ist der hellste Bereich im Bild und steht im starken Kontrast zu seiner schwarzen Umgebung. Somit lenkt er den Blick auf sich. Die beiden Halbmonde wirken als untergeordnete Eyecatcher. Sie ziehen den Blick erst nach dem Stern auf sich, da sie dunkler sind, sich somit weniger deutlich von ihrer Umgebung unterscheiden.

Ein einzelner Punkt wirkt statisch. Anders als eine Linie vermittelt er keine Bewegung. Erst eine Aneinanderreihung von Punkten kann zu einer imaginären Linie (also einer Linie, die das menschliche Hirn sich “dazudenkt”) führen.

Nun wissen wir also, wie wir den Blick des Betrachters einfangen können. Die Eyecatcher vermögen es allein aber nicht, den Blick auch zu fesseln. Dazu benötigt es nun weiterer, untergeordneter Eyecatcher. Durch untergeordnete Eyecatcher wird der Blick ein weiteres Mal angezogen, diesmal zu einem anderen Punkt im Bild.

Das Prinzip der untergeordneten Eyecatcher:

Eyecatcher

Die rechte Sonnenblume wirkt aufgrund ihrer auffälligen Farbe als Eyecatcher und die anderen Blumen wirken nacheinander als weitere, untergeordnete Eyecatcher.

Es empfiehlt sich also mehrere Punkte geschickt im Bild anzuordnen. Allerdings sollten es auch nicht zu viele Punkte werden, da ihre Wirkung dann schnell zu chaotisch wird. Eine weitere Möglichkeit sind vom Punkt ausgehende und wegführende Linien. Diese vermitteln eine Bewegung und führen den Blick weiter. Linien können auch verschiedene Punkte verbinden.


Zusammengefasst:

  • Punkte, die sich von ihrer Umgebung stark abheben, werden zum Eyecatcher – sie fangen den Blick ein
  •  Punkte, die den Blick auf sich lenken, nachdem er durch den eigentlichen Eyecatcher eingefangen wurde, sind untergeordnete Eyecatcher
  •  untergeordnete Eyecatcher eignen sich dazu, den Blick im Bild schweifen zu lassen
  •  auch Linien können Eyecatcher und andere Punkte verbinden

Ich hoffe, ich konnte euch die grundlegende Funktionsweise der Eyecatcher vermitteln.

Viele Grüße und Spaß beim Fotografieren, Anni :)

Zum 1. Artikel dieser Reihe Blickführung – Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund
Zum 2. Artikel dieser Reihe Blickführung -Linien und Flächen

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