Blickführung – Linien und Flächen

Vor zwei Wochen habe ich mit einem Artikel zu Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund die kleine "Einführung in die Blickführung" begonnen. Damit möchte ich heute fortfahren und zwar im Bezug auf Linien und Flächen im Bild. Ich hoffe, dieses erstmal sehr theoretische Thema wird nicht zu trocken ;)

Was hat es also auf sich mit Linien und Flächen?

Eine Fläche ist ein klar abgrenzbarer Bereich im Bild, der sich durch seine Farbe, Struktur oder Helligkeit von den anderen Flächen unterscheidet. Die Linien entstehen zwischen den Flächen, wo die Farben, Strukturen und Helligkeitsunterschiede keine Verläufe sondern Kontraste bilden (z.B. zwischen einer Hauswand und dem Hintergrund) oder innerhalb einer Fläche, wenn diese eher schmale Formen aufweisen (wie z.B. ein Blumenstängel).

Merksatz: Die Linien haben die Aufgabe, den Blick des Betrachters so umherzuführen, dass er im Bild verweilt und der Zusammenhang der Bildelemente sowie die Bildaussage deutlich wird.

Mohn in Landschaft

Bei dieser Landschaftsaufnahme, sehen wir im Hintergrund beide Fälle. Mit dem Baumstamm entsteht innerhalb einer Fläche eine Linie. Eine weitere deutliche Linie entsteht horizontal, dort wo der helle und der dunkle Grünton einen starken Kontrast bilden.
Durch diese gerade verlaufende, horizontale Linie entsteht eine ruhige Stimmung, die sich im Motiv wiederspiegelt. Dadurch dass die großen Flächen jeweils eine einheitliche Helligkeit und Struktur aufweisen, wird diese Stimmung noch verstärkt.

Merksatz: Solche Verknüpfungen zwischen Motiv und Gestaltung (also dem Einsatz von Blickführung, Linien und Flächen) sind mit die Kunst in der Fotografie.

Im folgenden Bild wurde der Steg, welcher eine Linie bildet, schräg bzw. leicht diagonal angeordnet. Dadurch entsteht eine Dynamik, die im Gegensatz zur Ruhe des Meeres (Fläche) steht. Durch die mittig angeordnete Horizontlinie wird die ruhige Atmosphäre unterstützt. Ob dieser Gegensatz zwischen Gestaltung und Motiv nun gut oder schlecht gelungen ist, ob er passt oder nicht, ist Ansichtssache. Mir gefiel es so. Wenn nur gerade Linien im Bild gewesen wären, wäre es mir schon wieder zu ruhig (oder auch langweilig ;) ).

Steg und ruhiges Meer

Es gibt auch Linien, die entstehen, indem das Auge sich wiederholende Punkte verbindet wie es z.B. beim Foto dieser Schildkröten der Fall ist. 

zoo_krefeld 042

Auch diese Enten bilden eine Linie und lassen dabei sogar eine  geometrische Form, nämlich einen Kreis entstehen. Die außerhalb dieses Kreises schwimmende Ente schaut auf ihre Artgenossen. Damit ensteht auch durch die Blickrichtung eine Linie. Hier passen Flächen und Motiv wieder zusammen und es entsteht eine Bildaussage.

Außenseiter oder Einzelkämpfer

Da geometrische Formen in der Natur viel weniger vorkommen, als in der von Menschen geschaffenen Welt, werden sie auf Fotos meist besonders stark wahrgenommen. Außerdem können sie symbolische Bedeutungen haben.


Zusammengefasst:

  • Linien und Flächen beeinflussen die Bildwirkung/Stimmung
  • Flächen sind klar abgrenzbare Bereiche im Bild (unterscheiden sich durch Struktur, Farbe und/oder Helligkeit)
  • Linien entstehen als Abgrenzungen zwischen Flächen und innerhalb von Flächen, durch sich wiederholende Punkte oder durch Blickrichtungen
  • Linien führen durch ihren Verlauf den Blick durchs Bild
  • Motiv und Gestaltung sollten zur deutlichen Bildwirkung verknüpft werden

Um den Umgang mit Linien und Flächen im Bild zu üben, ist es sinnvoll sich vorerst auf wenige Bildelemente zu beschränken, da sonst schnell Chaos entsteht. Dazu ist es besonders hilfreich mit Stilleben zu beginnen. Dabei können wir jedes Bildelement frei arrangieren und sind nicht auf die vorgegebenen Formen angewiesen, die uns normalerweise geboten werden. Probiert es doch einmal aus!

Fröhliches Fotografieren und bis demnächst,
Anni :)

 

Zum vorigen Artikel dieser Reihe ⇒ Blickführung – Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund

 

 

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