Bildanalysen – Teil 2: Blickführung und Blümchen

Heute ist es an der Zeit für die Fortsetzung der Bildanalysen.
Im ersten Teil ging es um Chaos, heute allerdings möchte ich mich nur einem speziellen Foto zuwenden und dieses ein wenig genauer analysieren. Hier zuerst einmal das Foto, das wir uns heute genauer ansehen wollen:

Blickführung

Blümchen und Bäumchen, passt doch soweit. Sollte man meinen. Doch selbst bei einfachsten Motiven gibt es eine Menge zu beachten.
Beginnen wir mal mit den offensichtlichen Dingen.

1. Schärfe
Die Schärfe eines Bildes ist elementar und sollte stets bewusst vom Fotografen eingesetzt werden. Das bedeutet, dass nicht jedes Bild scharf sein muss, sondern wenn man Unschärfe darauf erkennt, dann sollte es auch gewollt sein und irgendeinen Beitrag zur Bildaussage leisten ;) .
Im Bezug auf das obige Foto ist mir leider der Schäfepunkt ungewollt zu weit nach hinten gerutscht und so ist nicht die Blume mit dem Spinnennetz scharf abgebildet, sondern die Blüte rechts dahinter. Es ist kein gravierender Fehler, da es nicht das komplette Bild zerstört, aber dennoch. Wenn ihr den Blick eueres Betrachters wirklich fesseln wollt, dann ist es wichtig auch solchen Details Beachtung zu schenken.

2. Linienführung
Wie in Anni’s Artikel beschrieben, sollte man auf Fotos immer darauf achten, dass die Linienführung das Bild in seiner Aussage unterstützt und nicht stört. In diesem Bild ist die Grundidee der Linienführung gar nichtmal schlecht. Insgesamt handelt es sich um ein eher ruhiges Foto, bei dem das Hauptaugenmerk auf der Blüte mit dem Spinnennetzt liegen soll.

Das bedeutete für die Linienführung konkret, dass der Hintergrund möglichst ruhig und dezent sein sollte. Das ist in diesem Bild einerseits gut gelungen durch die dunklen Baume, die keine merkliche Struktur aufweisen und andererseits durch den Mittelgrund, der sich farblich ein wenig vom Hintergrund abhebt, aber immer noch dezent genug ist, um den Vordergrund in den Mittelpunkt zu stellen. Auch die horizontale Linienführung eignet sich sehr gut, um dem Bild Ruhe zu verleihen.

Jedoch gibt es auch in diesem Bild etwas zu verbessern. Die horizontale Linie weicht stark von der eigentlichen Parallelen ab.

Blickführung

Dadurch entsteht der Eindruck, der Mittelgrund rutscht nach links unten ab, was wiederum Unruhe ins Bild bringt. Hier empfiehlt es sich, das Bild mit einem geeigneten Bildbearbeitungsprogramm gerade zu rücken.

3. Blickfang
Kommen wir nun zum wichtigsten an einem Bild – dem Teil des Bildes, das den Blick des Betrachters auf sich ziehen und halten soll. Das muss nicht immmer ein Objekt sein, es ist auch möglich den Blick des Betrachters rein durch geschickte Komposition eizufangen, doch dazu mehr in den folgenden Bildanalysen. Beim heutigen Foto habe ich ein Objekt gewählt, das den Blick auf sich ziehen soll. Ich habe mich für die Blume entschieden, die von dem Spinnennetz umfangen wird.

Blickfang

Durch die sternförmige Anordnung der Fäden des Netzes entsteht eine Dynamik im Bild und der Blick wird automatisch zu der Blume hingezogen. Allerdings hätte ich hier auf mehr Kontrast achten sollen. Die Fäden sind zu hell, um wirklich gut aufzufallen. Damit habe ich einiges an Wirkung verschenkt. Mit einem fortgeschrittenem Bildbearbeitungsprogramm könnte man nachträglich diese Fäden noch verdunkeln und so dem Bild eine intensive Wirkung angedeihen lassen. Ich fand es aber wichtiger euch zu zeigen, was schief gelaufen ist :D .

Ich hoffe, der Artikel hat euch geholfen und ihr konnte daraus ein wenig für euch mitnehmen.
Bis bald,
eure Jana.

Zu weiteren Artikeln dieser Serie:

Bildanalysen – Teil 1: Chaos
Bildanalysen – Teil 3: Bildaussagen von Gähn- und Geschichten-Bildern

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>