Bildanalysen – Teil 1: Chaos

''Das war doch auch Arbeit, das ganze Chaos aufzubauen. Und jetzt soll ich mich plötzlich davon trennen?''

Eva S. Roth, Schriftstellerin

 

Wie ich finde ein sehr netter Einstieg in die Thematik, um die es heute gehen soll. Die mehrteilige Serie Bildanalysen handelt davon, wie man seine eigenen Bilder kritisch durchleuchten und so in Zukunft verbessern kann. Heute soll es, wie eingangs schon erwähnt, um Chaos gehen.

Was? Chaos auf Bildern? Das macht doch nix, kreativ und so Wer so denkt, ist nicht ganz im Unrecht, aber es ist ein weiter Weg, bis das Chaos nicht mehr abstoßend sondern fesselnd wirkt ;) .

Dazu gibt es heute einige Beispiele aus meiner eigenen Fotosammlung.  Ich beginne mal mit diesem Auswuchs meiner Künste: Chaos Palme Für die, die nicht gleich erkennen, was das sein soll: es war mal eine abgelöster Teil einer Baumrinde in Teneriffa :D . (Ihr erinnert euch sicher noch Teneriffa )

Ich war damals der Meinung, dieses Chaos würde bestimmt einen tollen Blickfang abgeben. Die Grundidee (helle Pflanze vor dunklem Hintergrund) ist gar nichtmal so schlecht – nur hatte ich nicht bedacht, dass der vermeintlich dunkle Hintergrund noch einige Lichtflecken beinhaltet, die nicht nur stören, sondern den Blick sogar komplett von der Pflanze lenken und zu völliger Verwirrung beim Betrachter führen. Wie in Anni’s Artikel über die Blickführung habe ich den Fehler gemacht, dass ich nicht auf klare Linienführung geachtet habe und so der Blick wahllos zwischen der Pflanze und den Lichtflecken hin- und herspringt.

Mein Tipp: Achtet beim Fotografieren von chaotischen Dingen darauf, dass das Licht ausgewogen ist und ihr möglichst Flecken vermeidet. Dies würde den Blick des Betrachtes zu stark ablenken.

Zweites Beispiel ist folgendes:
Chaos Baum
Hier könnt ihr sehen, dass es wieder am Hintergrund hapert. Dieses Mal ist es aber nicht das Licht, sondern generell die Unruhe. Obwohl die Lichtverhältnisse ausgewogen sind, musste ich mich beinahe schon zwingen das Bild weiter anzuschauen.

Ich wollte ursprünglich, dass der verdrehte Ast der Blickfang in dem Bild gewesen wäre. Ich war dabei so auf ihn fixiert, dass ich völlig außer Acht gelassen hatte den Hintergrund mit einzubeziehen. Die verschiedenen Blattarten lenken viel zu sehr ab und am allermeisten stören die hellen Blätter, die sogar direkt hinter dem Ast durchscheinen, wodurch man kaum mehr die Grenze zwischen dem Ast und den Blättern sieht. Ich habe anschließend versucht durch Bearbeitung das Bild ein wenig zu retten, indem ich den Hintergrund unscharf stellte, allerdings hat das nicht allzu viel geholfen.

Daher mein Tipp: Besser, ihr achtet gleich darauf, dass der Hintergrund ruhig ist ;) . Wenn ihr euch für Chaos entscheidet, dann achtet darauf dass ihr alle anderen Bildelemente so DEZENT wie möglich haltet. Nur so kann das Chaos gesondert bzw in Ruhe wahrgenommen werden und geht nicht irgendwo unter.

Das letzte Bild in meiner Analyse:
Chaos Blätter
Das Licht passt. Der Hintergrund verhält sich realtiv dezent. Was immer noch stört? Wie so oft ist es einfach die fehlende Aussage, die dieses Bild zu keinem besonders guten Bild macht. Der Blick gleitet darüber, nickt innerlich ab, aber bleibt einfach nicht im positiven Sinne hängen.

Hier wird es schwierig allgemeine Tipps zu geben. Eigentlich hilft da nur rumprobieren. Denn das Gefühl kommt erst nach unzähligen Monaten, wenn nicht Jahren. Aber es ist trotzdem ein wichtiger Aspekt, wenn es um Bildgestaltung geht.

Ich hoffe dieser Artikel konnte euch ein wenig weiterhelfen, bald gibt es den zweiten Teil. Bei Anregungen, immer her damit ;) .
Eure Jana

 

Zu den nächsten Artikeln dieser Serie:

Bildanalysen – Teil 2: Blickführung und Blümchen
Bildanalysen – Teil 3: Bildaussagen von Gähn- und Geschichten-Bildern

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